Hörspiel & Hörbuch


Hörspiele und Hörbücher erfreuen sich durch die Etablierung von Audio Streaming Anbietern wieder größerer Beliebtheit. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Hörbuch und einem Hörspiel?
Ursprünglich versteht man unter einem Hörbuch (Audiobuch, englisch: audiobook) die Veröffentlichung eines gesprochenen Inhalts. Im Grunde genommen ist ein Hörspiel also eine Art des Hörbuchs. Im Volksmund hat sich aber eine andere Definition durchsetzen können.
 

Hörbuch


Unter dem Begriff Hörbuch wird heutzutage in der Regel die Vertonung einer Lesung verstanden. In aller Regel ist es die Lesung eines literarischen Werkes, oftmals eines Buches. Verschiedene Intentionen prägten die Entwicklung der ersten Hörbücher. Der eine Teil der Bewegung war die Deutsche Blindenstudienanstalt, die die Inhalte aus Filmen und Büchern auch für blinde Menschen zugänglich machen wollte. Es gab aber auch diverse Ansätze, deutsche Literatur oder Vorträge von Dichtern und Kabarettisten unabhängig von Zeit und Ort einem breiten Publikum präsentieren zu können. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten war die Umsatzbeteiligung am Buchmarkt allerdings noch sehr gering.
Dies änderte sich erst in den 1990er Jahren, als Hörkassetten und später CDs das etablierte Medium für Audiodateien wurden. Durch tragbare Kassettenspieler, CD Player und MP3 Player konnten die Hörbücher noch freier und unabhängiger gehört werden und wurden somit zu einem beliebten Medium. Besonders hervorzuheben sind hier die von Rufus Beck gelesenen Vertonungen der Harry Potter Bücher, die seit 1999 auf dem Markt sind und zu den kommerziell erfolgreichsten Hörbüchern zählen.

 


Hörspiel


Im Gegensatz zu der im Volksmund verwendeten Definition von Hörbüchern sind Hörspiele mehr als nur die simple Lesung eines Textes. Hörspiele sind die akustische, dramatische Inszenierung von Geschichten. Dabei werden verschiedene Sprecher, Geräusche und Musik eingesetzt.
In Deutschland lässt sich die Geschichte der Hörspiele bis in das Jahr 1918 zurückverfolgen, als erste Versuche unternommen wurden, Theaterstücke per Funk im Radio übertragen zu können. Insgesamt stießen diese ersten Versuche aber nicht auf eine große Gegenliebe beim Publikum, daher wurde die Entwicklung der Hörspiele in Deutschland wenig vorangetrieben.
Im Gegensatz dazu bleibt eine historisch nicht vollständig und in jedem Detail belegte Anekdote aus dem US-Amerikanischen Raum unvergessen: 1938 wurde „Der Krieg der Welten“ nach H. G. Wells erstmals im Radio ausgestrahlt. In dieser Science Fiction Vorführung haben es die Produzenten geschafft, das Szenario eines Angriffs von Außerirdischen so täuschend echt in das Tagesprogramm eines Radiosenders einzubinden, dass eine Massenpanik ausgebrochen sein soll. Belegt werden können allerdings allenfalls besorgte Anrufe bei dem Sender, nicht aber eine Massenpanik mit Schockpatienten.
Mittlerweile ist Deutschland das Land, in dem die meisten Hörspiele produziert und gehört werden. Ungeschlagen ist die Hörspielreihe „Die drei ???“, welche schätzungsweise 40 Prozent des kommerziellen Hörspielmarktes in Deutschland ausmacht.
Die Produktion von Hörspielen gilt aufgrund der Vielzahl von Komponenten (diverse Sprecherinnen und Sprecher, Musik, Soundeffekte) als besonders komplex und kostenintensiv. Professionelle Tonstudios sind dennoch in der Lage, hochwertige Hörspiele zu angemessenen Preisen zu produzieren.